Drei Gründerinnen, die finden was zu euch passt - egal ob Reisepartner, Kitas oder Wäsche
Autorin: Milena Merten

Die deutsche Gründerszene ist zu großen Teilen ein Männerclub: 72 Prozent der Start-ups in Deutschland werden von reinen Männerteams gegründet, nur acht Prozent von reinen Frauenteams und 20 Prozent von gemischten Teams. Das hat der Bundesverband Deutsche Start-ups für seinen Female Founders Monitor erhoben. Daraus geht auch hervor, dass Gründerinnen andere Schwerpunkte setzen als Gründer: Sie gründen häufiger E-Commerce- oder Bildungs-Unternehmen, Männer vor allem IT- und Softwarefirmen. Die besten Ergebnisse liefern Studien zufolge übrigens gemischte Teams.

Um den Frauenanteil in der Gründerszene zu steigern, hat der Start-up-Accelerator Ada 20 Frauen mit vielversprechenden Geschäftsideen in einem Sommercamp in Berlin zusammengebracht.

Ein Tinder fürs Reisen

Marina Doß war 25, als sie mit einer Reisegruppe nach Australien flog. Ihre Mitreisenden waren alle jünger als sie, wollten jeden Tag feiern und gingen ihr bereits nach wenigen Tagen auf die Nerven. Aber alleine verreisen wollte sie auch nicht, und ihre Freunde hatten für eine längere Australien-Reise keine Zeit. Marina beschloss, eine App zu entwickeln, mit der sie gleichgesinnte Reisebegleiter finden kann.

Marina Doß

Sechs Jahre lang schwirrte ihr die Idee im Kopf herum, während sie bei Google in Hamburg im Marketing und Business Development arbeitete – jetzt will sie ihren Plan endlich umsetzen. Reisepartnerbörsen gibt es im Netz bereits einige – aber Marina schwebt ein algorithmenbasierter Matching-Service vor, der bei Dating-Portalen wie Tinder eingesetzt wird. „Zu Beginn musst du einen visuellen Fragebogen ausfüllen, mit dem ermittelt wird, welcher Reisetyp du bist“, sagt Marina. Daraus entsteht dann ein detailliertes Profil, bei Marina sähe das wohl so aus: interessiert an Fernreisen, gerne nach Südostasien, selbsternannter Foodie, immer auf der Suche nach leckeren lokalen Gerichten, interessiert an Yoga, Surfen, Tauchen, Konzerten und Sachbüchern. Zudem kann man mögliche Reisezeiträume und -ziele angeben. „Anders als bei Facebook wäre das aber kein öffentliches Profil, sondern wird nur gezielt solchen Menschen angezeigt, die ähnliche Interessen haben wie ich“, erklärt Marina.

Der Algorithmus schlägt bis zu zehn potenzielle Matches vor, mit denen man über die App Kontakt aufnehmen und die gemeinsame Reise planen kann. Zusätzlich will Marina ein Reisetagebuch integrieren, sodass Nutzer sich gegenseitig Tipps und Empfehlungen geben können.

Für die Nutzer soll die App kostenlos sein – finanzieren will Marina ihr Geschäft, indem sie eine Buchungsfunktion für Flüge, Hotels und Aktivitäten einbaut. Für jede Buchung über die App erhält sie von den Unternehmen eine Vermittlungsprovision. Die App soll in etwa einem Jahr auf den Markt kommen.  

Ein Kita-Finder für Eltern

Marie-Charlotte Eyb kommt aus einer kinderreichen Familie: Sie hat vier Geschwister und vier Neffen und Nichten. Ihre Geschwister sind mehrmals umgezogen und standen immer wieder vor dem Problem, eine neue Kita oder Schule für ihre Kinder zu finden. Marie, die vor kurzem erst ein zehnwöchiges Programmier-Bootcamp absolviert hat, beschloss deshalb, die Kita-Suche zu digitalisieren.

Maria-Charlotte Eyb

„Eltern wollen nicht nur Kitas in der Nähe finden, sondern vor allem eine Kita, die am besten zu ihrem Kind passt“, glaubt Marie. Hat das Kind eine Behinderung, sollte es ein inklusiver Kindergarten sein? Soll er digitale Bildung oder Zweisprachigkeit anbieten? Welche Kita bietet veganes Mittagessen an?

Die Eltern können die Kitas in der Nähe nach Interessen, Stärken und Bedürfnisse ihrer Kinder filtern – basierend auf den Angaben der Kitas schlägt der Algorithmus ihnen dann die Kindergärten in der Nähe vor, die am besten zu ihrem Kind passen. Die Eltern können sich über die Website auf die Wartelisten mehrerer Kitas setzen lassen und werden automatisch entfernt, sobald sie ihr Kind bei einer Tagesstätte angemeldet haben.

Finanzieren soll sich die Seite über Werbung und Kooperationen mit kostenpflichtigen Kitas. Langfristig will Marie "Find-My-Kita" auch auf Grundschulen und Gymnasien ausweiten. Und vielleicht sogar auf Seniorenheime: Dann könnten irgendwann die Kinder das passende Altersheim für ihre Eltern aussuchen.

Ein 3D-optimierter BH

Melanie Wagenfort hat in ihrem Leben schon viel Geld für BHs ausgegeben – und war regelmäßig enttäuscht. Selbst teure Wäsche kniff oder passte nicht richtig. „Und dann muss man sie auch noch in Umkleidekabinen mit schrecklichem Licht anprobieren – oder massenweise nach Hause bestellen und mehr als die Hälfte wieder zurückschicken“, klagt sie.

Melanie Wagenfort

Melanie hörte sich im Freundeskreis um und erfuhr, dass diese Unzufriedenheit weit verbreitet war – vor allem bei Frauen mit größerer Oberweite oder ungleich großen Körbchen. Deshalb will sie jetzt passgenaue, personalisierte BHs entwickeln. Die Idee: Die Kundinnen fertigen zuhause einen 3D-Scan ihrer nackten Brust an. Die so gewonnenen Daten zu Volumen und Umfang senden sie an Melanies Start-up, das gemeinsam mit einem Produktionspartner im Hintergrund maßkonfektionierte Wäsche anfertigt. Melanie hat für das Projekt in den vergangenen Monaten selbst Nähen gelernt, sich aber zusätzlich mit einem Textilschneider und einem Experten für 3D-Scans zusammengetan. Die ehemalige Unternehmensberaterin will zu Beginn auf Pop-Up-Stores in Großstädten setzen, wo die Kundinnen die Materialien erfühlen und Designs für ihre BHs aussuchen können. Herzstück wird aber der Online-Shop sein, der Anfang 2020 startet. Ein perfekt passender BH soll um 100 Euro kosten.